Integrativer Fußball im Nachbarort

23.02.2017 15:40

Von Vera Szybalski

Angefangen hat alles mit Gerrit. Der heute Elfjährige spielt seit der U 6 beim TuS Altenberge Fußball. So wie viele weitere Kinder in seinem Alter. Der Unterschied: Gerrit hat das Down-Syndrom .

Das Handicap hat ihn über Jahre nicht davon abgehalten, mit seinen Freunden Fußball zu spielen. Warum auch? Geändert hat sich das bis heute nicht. Im Gegensatz zu der Tatsache, dass es für Gerrit immer schwerer wird mitzuhalten. Deshalb hat der TuS Altenberge nun beschlossen, eine integrative Fußballmannschaft ( IFMA ) zu gründen.

"Wir packen es an"

Unter dem Slogan „Wir packen es an“ wollen die Altenberger Gerrit und anderen Kindern mit vergleichbaren Handicaps, Alter und Spielverständnis eine sportliche Heimat bieten und hoffen auf guten Zulauf. Voraussetzung ist, dass die Mädchen oder Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren ohne fremde Hilfe über den Rasen laufen können.

Beim Training, dass freitags in der Soccerhalle stattfinden soll, muss immer ein Elternteil, Betreuer oder Integrationshelfer dabei sein. Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit den Altenbergern wird gemeinsam mit den Kindern und deren Eltern entschieden, ob ein Mitwirken im Einzelfall sinnvoll ist.

Einzugsgebiet ist nicht nur Altenberge , sondern auch die Gemeinden in der Umgebung, angefangen bei Horstmar und Laer bis Nordwalde, Steinfurt, Greven und Reckenfeld nach Hohenholte und Nienberge. Angesprochen sind also auch Altenberges Nachbarvereine. Vielleicht haben dort Kinder ähnliche Erfahrungen gesammelt wie Gerrit.

Nicht falsch verstehen

Der Elfjährige hat sich in seinem Team immer wohl gefühlt. Gerrits Vater Ulrich Mönkediek will deshalb auf gar keinen Fall falsch verstanden werden: „Das ist eine ganz tolle Mannschaft, in der Gerrit momentan spielt. Das Sozialgefüge ist super.“ Die Spieler und deren Eltern hätten Gerrit in den vergangenen fünf Jahren akzeptiert und integriert.

Der einzige Grund, weshalb Mönkediek denkt, dass sein Sohn bald besser in einer integrativen Fußballmannschaft aufgehoben ist, ist die immer weiter auseinanderklaffende Leistungsschere. Ein „Weiter so“ wird dadurch schwierig. „Das ist nicht mehr sinnvoll für Gerrit“, hat Mönkediek festgestellt.

Gerrit hat eine langsamere Auffassungsgabe als seine Mitspieler, die Spielanteile werden zunehmend weniger. Dass der Elfjährige den Spaß am Fußball verliert, will sein Vater verhindern. Deshalb kam ihm der Gedanke zur Gründung einer integrativen Fußballmannschaft beim TuS Altenberge, den er zusammen mit Nadine Steingrefer, Oliver Maaß und Dr. Thomas Keßler konkretisierte.

Idee von BW Aasee

Aufmerksam geworden auf die Idee ist Mönkediek bei einem Auswärtsspiel bei Blau-Weiß Aasee. Der Verein im Süden von Münster hat bereits seit einigen Jahren eine integrative Fußballmannschaft. Mittlerweile ist BW Aasee dreistufig unterwegs und nimmt mit den Mannschaften an Turnieren für Fußballer mit Handicaps teil.

Nun in Konkurrenz zu treten mit Aasee, liegt den Altenbergern fern. Im Gegenteil: Die Verantwortlichen der Münsteraner zeigten sich erfreut, dass der TuS eine integrative Fußballmannschaft aufbauen will.

Denn die Blau-Weißen haben eher zu viel als zu wenig Zulauf. In Richtung Rheine ist der SC Hörstel Anlaufstelle für Kinder mit Handicaps, das Einzugsgebiet von Aasee deckt weite Teile Münsters ab und geht aktuell noch darüber hinaus.

Weißer Fleck auf der Landkarte

Die Region um die Stadt Steinfurt bis Altenberge ist noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, was integrative Fußballmannschaften angeht. Dass das nicht so bleibt, daran arbeitet der TuS.

Zum Thema

Als Starttermin haben die Verantwortlichen den 17. März (Freitag) ins Auge gefasst. Der TuS Altenberge freut sich über Kontaktaufnahmen: Ulrich Mönkediek: 01 60 / 70 75 54 6; Nadine Steingrefer: 01 51 / 18 40 01 36 oder Oliver Maaß: 01 71 / 35 56 02 7.

 
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